Betriebliche Sozialleistungen: 5 aktuelle Thesen zur Mitarbeiterbindung

Betriebliche Sozialleistungen kommen als Frage im Employer Branding oftmals zu kurz. Als Hygienefaktor verschrien, wird ihnen im Verhältnis zum „Purpose“ keine strategische Funktion zugeschrieben.

ANTONIUS OEYNHAUSEN
Experte für betriebliche Sozialleistungen
www.work-and-care.de

Dieser absolute Blick ist jedoch falsch. Denn ja nach Mitarbeitergruppe spielen betriebliche Sozialleistungen mal eine größere, mal eine kleinere Rolle. Gerade in den letzten Jahren hat das „Was ein Arbeitgeber bietet“ in der Wahrnehmung zugenommen.

Antonius Oeynhausen ist Experte für betriebliche Sozialleistungen mit dem Fokus auf bAV und bKV. In seinem Gastbeitrag stellt er fünf aktuelle Thesen zur Mitarbeiterbindung mit betrieblichen Sozialleistungen vor:

1. Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen!

Nach Zahlen des Instituts der Deutschen Wirtschaft aus den Jahren 2021/2022 waren fast 540.000 Fachkräftestellen in Deutschland nicht besetzt. Besonders betroffen waren Berufe aus den Bereichen Sozialarbeit, Pflege und Erziehung, aber auch im Handwerk und bei IT-Experten fehlen besonders häufig Fachkräfte.

Im Wettbewerb um die besten Fachkräfte benötigt ein Betrieb das gewisse Extra, um als Unternehmen und Arbeitgeber attraktiv zu sein. Richtig eingesetzt, führen freiwillige Sozialleistungen zu positiven Effekten:

  • eine attraktive Wirkung auf Bewerber und somit größere Chancen im Wettbewerb um die Talente
  • besonders die engagierten und qualifizierten Mitarbeiter fühlen sich dem Unternehmen verbunden und bleiben loyal und treu
  • die Arbeitszufriedenheit und die Motivation steigen und damit die Leistung und die Produktivität

2. Ohne gutes Gehalt und „geldwerte“ Vorteile geht es nicht!

Motivation, Wohlfühlen am Arbeitsplatz, Mitarbeiterzufriedenheit – zu Recht wird gern darauf hingewiesen, dass „weiche“ Faktoren darüber entscheiden, inwieweit Mitarbeiter bereit sind, Höchstleistungen für das Unternehmen zu erbringen.

Mitarbeiter erwarten …

  • einen respektvollen Umgang miteinander im Unternehmen
  • eine offene und faire Unternehmenskultur
  • Anerkennung und Lob für ihre Arbeit
  • eine gute „Work-Life-Balance“ und
  • gute Beziehungen zu den Kollegen

 

Allerdings – in nahezu allen Studien zur Arbeitszufriedenheit im Unternehmen finden sich auf den vorderen Plätzen die „Arbeitsplatzsicherheit“ und ein „gutes Gehalt inklusive attraktiver Zusatzleistungen“ (Zu den aktuellen Studien).

Und mal ganz offen gesagt – ein höheres Gehalt und andere „geldwerte Vorteile“ als betriebliche Sozialleistungen spielen für jeden Arbeitnehmer, der den Job wechselt, oft eine entscheidende Rolle. Wer seine Mitarbeiter in Unternehmen halten möchte, kommt um eine attraktive Gestaltung von „Lohn und Brot“ nicht herum.

3. Ihre Mitarbeiter wünschen sich Sicherheit und Vorsorge! 

Gerade in größeren Unternehmen können Mitarbeiter oft aus einer Vielzahl von Sozialleistungen wählen. An dieser Stelle genannt sein hier Benefits wie Essensgutscheine oder eine Betriebskantine, Angebote zur Kinderbetreuung, Zuschüsse zur Mobilität (z.B. „Tankgutscheine“ oder Dienstwagen) oder Sport- und Freizeitangebote.

Eine repräsentative Kantar-Continentale-Studie aus dem Jahr 2020 belegt jedoch eindrucksvoll, dass die betriebliche Altersvorsorge (bAV) als die persönlich wichtigste Sozialleistung für einen Arbeitnehmer genannt wird. Ein Mitarbeiter, der sieht, dass er mit Unterstützung seines Arbeitgebers seine Rente nachhaltig und nennenswert verbessern kann, bleibt in seinem Arbeitsverhältnis loyal und motiviert. An zweiter Stelle nennen die Befragten der Kantar-Studie die Betriebliche Krankenversicherung (bKV) als wichtiges Angebot des Arbeitgebers. Gesundheit ist ein Megatrend und erfreut sich deshalb als Sozialleistung wachsender Beliebtheit.

Wichtig in den Bereichen bAV und bKV ist die Bestandsaufnahme und Analyse bereits bestehender Verpflichtungen, Informationen zur rechtssicheren Umsetzung und die Einführung sowie die dauerhafte Begleitung von zielgerichteten Versorgungsmodellen, die genau auf Unternehmen und ihre Mitarbeiter passen. Wichtig ist die Kommunikation dieser Sozialleistungen, um eine hohe Teilnahmequote zu erreichen.

4. In einem gesunden Körper wohnt ein gesunder Geist!

Ohne Mitarbeiter geht es nicht – vielen Unternehmern wird diese Tatsache dann besonders bewusst, wenn ihre Mitarbeiter krankheitsbedingt fehlen. Experten schätzen die Kosten krankheitsbedingter Fehlzeiten in Deutschland auf etwa 87 Milliarden Euro jährlich (2020, Bundesagentur für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin).

Jeder Euro, den ein Unternehmen in die Gesundheit seiner Mitarbeiter steckt, zahlt sich am Ende um ein Vielfaches aus. Alle Vorteile freiwilliger Sozialleistungen treffen auf Investitionen in die Mitarbeitergesundheit zu.

Deshalb ist es sinnvoll, die Beratungsthemen

  • Stressvermeidung, Stressbewältigung und Suchtprävention
  • ausgewogene Ernährung am Arbeitsplatz
  • und zielgerichtete Bewegungsprogramme

anzubieten.

 

Bis zu 500 Euro je Mitarbeiter können jedes Jahr unter Berücksichtigung der Anforderungen des Sozialgesetzbuchs (SGB) steuerfrei in Gesundheitsförderung investiert werden.

5. Betriebliche Sozialleistungen: Tue Gutes und rede darüber!

In der Praxis lässt sich leider beobachten, dass betriebliche Zusatzleistungen oft nur halbherzig eingeführt werden und noch weniger regelmäßig auf ihre Wirksamkeit hin überprüft werden. Wenn jedoch die Unternehmer und Personaler sich nur unzureichend mit ihren Angeboten beschäftigen, wie sollen diese Angebote dann Wirkung für die Mitarbeiter erzeugen können? Betriebliche Sozialleistungen können nur als attraktiv wahrgenommen werden, wenn die Zusatzleistungen und ihr besonderer Wert auch aktiv extern und intern kommuniziert werden. Darüber muss im Unternehmen gesprochen werden, so geht es.

Bildrechte: Lukas / pexels.com

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